aaaa

"Mehr Arbeit statt mehr Alimentierung"

Chemnitz. Was sagen sächsische SPD-Bundestagsabgeordnete zum Plan ihres Parteichefs Kurt Beck, die Zahlung des Arbeitslosengeldes I für ältere Arbeitnehmer zu verlängern? Die "Freie Presse" fragte nach.

Wolfgang Gunkel (Görlitz): Der Parteivorsitzende hat eine sinnvolle Weiterentwicklung der Agenda 2010 angeregt. Ich bin sicher, dass der Parteitag für diese Position stimmen wird. Aus meiner Wahlkreisarbeit weiß ich, dass die Korrektur längst überfällig ist.
Detlef Müller (Chemnitz): Im Jahr 2000 waren 35 Prozent der Über-55-Jährigen in Arbeit, heute sind es 53 Prozent - die Agenda 2010 greift. Deshalb sollten wir das Reformpaket jetzt nicht aufschnüren. Es gibt viel wichtigere Arbeitsfelder, etwa die Leiharbeit oder die noch immer deutlich niedrigeren Renten im Osten. Wenn der Beschluss zur Verlängerung des ALG I dennoch kommt, muss Arbeitsminister Müntefering als Parteisoldat gegen seine eigene Überzeugung arbeiten. Das wird schwierig.
Simone Violka (Glauchau): Müntefering und Beck liegen gar nicht so weit auseinander. Fördern und fordern stand und steht im Mittelpunkt. Wenn man jetzt die Zahlung des ALG I verlängern will, dann muss das an verstärkte Vermittlungstätigkeit geknüpft sein.
Marlies Volkmer (Dresden): Ältere Arbeitnehmer sollten länger ALG I bekommen. Becks Initiative ist aber keine Abkehr von der Agenda 2010, sondern eine notwendige Anpassung. So wird eine Gerechtigkeitslücke geschlossen.
Andreas Weigel (Zwickau): Ich bin sehr dafür, hier eine offene Diskussion zu führen, die Mechanismen der Agenda 2010 sollten überprüft werden. Aber vom Grundsatz eines flexiblen Arbeitsmarktes darf man nicht abrücken.
Gunter Weißgerber (Leipzig): Das Anliegen ist nachvollziehbar. Doch nur wenn der Rückgang der Arbeitslosigkeit auch bei längerer Zahlung des ALG I anhält, ist die Erhöhung zu befürworten. Das Primat hat das Absinken der Arbeitslosigkeit, nicht die längere Alimentierung. (oha)

 

Freie Presse Chemnitz, Politikseite 10.10.2007

    aaaa