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Berlin lässt kaum Zeit für die schönen dinge nebenbei

Simone Violka vertritt in der zweiten Legislaturperiode im Bundestag – SPD-Abgeordnete wird langsam  in Berlin heimisch

Hohenstein-Ernstthal. Allen Rufen nach öffentlichen Personennahverkehr zum Trotz. Das Auto, da ist sich Simone Violka sicher, wird auch in Zukunft nicht zu entbehren sein. „Um irgendwo hinzukommen, geht es doch gar nicht ohne“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete, die für die Region Chemnitzer Land/Stollberg im Berliner Parlament sitzt. Dorthin fährt sie zwar mit dem Zug – das dauert gut 60 Minuten länger als die Pkw-Route. Aber der Wahlkreis selbst bleibt ihrem Auto vorbehalten.

Überhaupt setzt sich die Abgeordnete, die auch in der jetzigen Legislatur dem Haushaltsausschuss angehört, intensiv mit dem Straßenverkehr auseinander. Das machte Simone Violka beim Radaktionsgespräch in der „Freien Presse deutlich. Dass es in Sachsen zwei Autobahnen mit „Makel“ gebe – die künftige Verbindung nach Prag lahmt und auch an der A 72 droht wegen fehlendem Geld Verzug – stört sie ebenso wie die noch immer eindeutigen und vor allem umsetzbaren Entscheidungen etwa zur geplanten Ortsumgehung Waldenburg.

Anders als etwa Stadt und Gemeinderäte, die ihren Wohnsitz im Gebiet der Kommunen haben müssen um gewählt werden zu dürfen, will die SPD-Politikerin an ihrem Heimatort Penig festhalten. Die Stadt im Landkreis Mittweida liegt im alten Wahlkreis und damit außerhalb des Gebiets, für das sie heute in Berlin ihre Stimme gibt. „Ich habe ein Büro in Stollberg und eines in Glauchau“, wehrt Violka ab. Zudem sei sie nach wie vor als Stadträtin in Penig aktiv und will diese Aufgabe gern auch weiterhin wahrnehmen. „Glauchau wird später das Hauptbüro, in Hohenstein-Ernstthal sind ab nächsten Jahr wieder Sprechstunden geplant.“ Ab Januar will die Abgeordnete noch ein eigenes neues Büro in Stollberg einrichten. Genau in diesem Landkreis hatte ihr CDU-Mitbewerber Marco Wanderwitz bei der Wahl erheblich bessere Zahlen für sich verbuchen können. „Als SPD-Politiker ist es im erzgebirgischen Raum wohl schwieriger, zu bestehen“, sagt Violka und weist Vorwürfe, dieses Gebiet beim Wahlkampf vernachlässigt zu haben, zurück.

Dennoch spart auch sie nicht mit Seitenhieben gegen Wanderwitz, der das Direktmandat für den Wahlkreis gewinnen konnte. Besonders sauer aufgestoßen sei ihr in der Wahlzeit, dass – offenbar als Wahlkampfgag – Besucher der Internetseite www.violka.de nicht bei ihr, sondern dem Angebot der Jungen Union (JU)  im Landkreis landete. Da hört eigentlich der Spaß auf, meint sie. Wegen Namensmissbrauch habe sie ein Strafverfahren auf Unterlassung und Freigabe der betroffenen Seite (Domain) gegen die JU eingeleitet. „Sowas sollte zwar in Wahlzeiten nicht hochgespielt werden, aber es kann ja wohl nicht sein, dass es eine Internetseite, die unter meinem Namen läuft, eingerichtet wird, mit der ich gar nichts zu tun habe und auf alles, was da steht, ohne Einfluss bin“.

Nach den ersten Wochen und Monaten in Berlin in ihrer bereits zweiten Legislaturperiode als Mitglied des Bundestages beginnt sich die Sächsin nun nach und nach wohnlich in der Hauptstadt einzurichten. Dennoch hat sie ihr eigentliches Zuhause in ihrem Elternhaus in Penig, wo sie allerdings auch viel zu selten ist. Freizeit ist nach wie vor ein Fremdwort. „Seit vier Jahren war ich noch nicht mal in Berlin im Theater“, sagt sie, die als bekennende Anhängerin der „Rocky Horror Show“ dereinst regelmäßig in verschiedenen Kunsthäusern gern zu Gast war. Chefin des bundesweiten Fanclubs ist sie nach wie vor, künftig will sie sich auch wieder verstärkt den Anfragen von Fans widmen

Freie Presse Hohenstein-Ernstthal vom 10.12.2002

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