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Abgeordnete lässt
das Vorgehen prüfen
Firma Altvater will
keine ausländischen Verpackungen mehr entsorgen - Simona Violka (SPD) kündigt
Maßnahmen an
Von
Uwe Lemke und Oliver Hach
Im
Landkreis Mittweida sollen künftig keine gelben Tonnen bzw. Säcke, die
ausländische Verpackungen enthalten, mehr entsorgt werden. Diese Mitteilung, die
die Firma Abfallwirtschaft Altvater & Co. GmbH & Co. KG Wolkenburg kürzlich per
Postwurfsendung allen Haushalten in ihrem Entsorgungsgebiet zukommen ließ, lässt
die Bundestagsabgeordnete Simone Violka (SPD) auf rechtliche Machbarkeit im
Umweltministerium prüfen. Ihr Argument für eine weitere Entsorgung derartiger
Verpackungen: "Auch Polen und Tschechien gehören zur EU, und wir haben, was
diese Produkte betrifft, einen Warenfreizügigkeitsverkehr. Außerdem ist der
Grüne Punkt längst ein einheitliches europäisches Markenzeichen, welches die
Produzentenverantwortung in der europäischen Verpackungsrichtlinie 94/62/EG
regelt." Die Abgeordnete befürchtet, dass durch diesen "fragwürdigen Alleingang
der Firma Altvater, die zur Sulu-Gruppe gehört und erstaunlicherweise auch
bereits in Polen und Tschechien Hausmüll entsorgt, wieder vermehrt Müll einfach
in die Landschaft geworfen wird".
Damit werde der angesprochene Kostenfaktor von der Firma einfach auf den
Steuerzahler umgelegt. Denn das Umweltamt sei dann für die Säuberung der
Landschaft zuständig, welches dafür Steuergelder einsetzen müsse, so Violka. Sie
bedauert, dass derzeit ein vereintes Europa anscheinend "nur dann gern gesehen
ist, wenn es zum Geld verdienen taugt". Sobald Nachteile entstünden, flüchte man
immer noch gern in nationale Befindlichkeiten. Dieses Beispiel zeige, dass es
noch ein langer Weg zu einem vereinten Europa ist.
Auch die Firma Fehr Umwelt Ost GmbH Mittweida, die die Entsorgungshoheit für die
gelben Säcke im Territorium des ehemaligen Kreises Hainichen hat, kennt dieses
Problem.
Laut Geschäftsführer Hans-Jürgen Macioschek liegt die Ursache darin, das sich
die dualen Systeme der einzelnen Länder bisher nicht über gemeinsame Modalitäten
geeinigt haben. Normalerweise müsste der Kunde diese Verpackungen dorthin
zurückbringen, wo er sie bezahlt hat, etwa nach Tschechien. "Doch das macht
keiner", weiß Macioschek. Die Entsorger in Deutschland hätten dann mit den
Übermengen zu kämpfen. Für seine Entsorgungsfirma sei das weitaus größere
Problem jedoch der Restmüll, der sich zu etwa 50 Prozent in den gelben
Behältnissen wiederfindet. Seine Mitarbeiter führen deshalb Kontrollen durch, ob
es zu sogenannten "Fehlwürfen" gekommen ist. Werde dies festgestellt, dann
erhalten die gelben Säcke einen roten Aufkleber und werden stehen gelassen. Im
Wiederholungsfall könne das bis zum Ausschluss von der Entsorgung führen.
Im grenznahen Gebiet zu Tschechien, wo man annehmen müsste, dass dort das
Aufkommen an ausländischen Verpackungen besonders hoch ist, sieht man hingegen
keinen Handlungsbedarf. "Vom Grundsatz her ist es natürlich richtig, dass
aufgrund der Lizenzentgelte Verpackungen ohne den grünen Punkt nicht in die
gelben Tonnen gehören. Doch wie weit will man das Gummiband dehnen? Das
Aufkommen ausländischer Verpackungen ist hier bei uns nur unwesentlich. Da wir
den Müll auch selbst sortieren, wird dieses Material herausgenommen und eben als
freie Menge vermarktet", beschreibt Andreas Grübler, Chef der für den Landkreis
Annaberg zuständigen Kreislaufwirtschaft Grübler GmbH & Co. KG., die dortige
Situation. Man wolle Ruhe im Landkreis und schreite deshalb nur ein, wenn
tatsächlich große Mengen Restmüll in den gelben Behältnissen landen. Doch das
sei in der Praxis verschwindend gering. In einer Postwurfsendung an alle
Haushalte in der Region Rochlitz teilt die Abfallwirtschaft Altvater GmbH
Wolkenburg mit, dass "ausländische Verpackungen" bei der Abfuhr der gelben
Tonnen oder gelben Säcke nicht mehr mitgenommen werden. "Das Aufkommen im
Landkreis Mittweida ist im Vergleich zu grenznahen Gebieten zwar geringer. Doch
es hat mittlerweile Größenordnungen angenommen, die nicht mehr finanzierbar
sind", sagt Thomas Albani, Disponent bei der Altvater GmbH.
Wie das Duale System Deutschland (DSD) unter dem Mülltourismus leidet, erklärt
Albani an einem simplen Beispiel: Ein Getränkehersteller zahlt über das DSD
einen bestimmten Geldbetrag im Jahr an die Entsorgungsfirmen, die dafür die
Verpackungen mit dem grünen Punkt über gelbe Tonne oder gelben Sack kostenlos
aus den Haushalten mitnehmen. Wenn nun durch ausländische Verpackungen, die
mitunter sogar den grünen Punkt als Zeichen tragen, jedoch meist nicht über das
duale System finanziert sind, das Müllaufkommen steigt, dann sehe sich das
Entsorgungsunternehmen früher oder später zu einer Erhöhung der Gebühren
veranlasst. "Jedes Kilo mehr müssen wir teuer bezahlen", so Albani. Immer mehr
Müll wandere in die gelben Behältnisse. Doch damit soll nun Schluss sein. Mit
der Postwurfsendung wolle die Firma Altvater "ein erstes Zeichen setzen". Das
Personal der Müllabfuhr sei angewiesen, verstärkt zu kontrollieren. Werde man
fündig, dann gebe es zunächst eine Verwarnung. "Wenn auch das nichts nützt,
folgt der Ausschluss von der Entsorgung. Dem jeweiligen Haushalt wird dann die
gelbe Tonne weggenommen", so Albani.
Auch bei der Fehr Umwelt Ost GmbH in Mittweida stößt man immer wieder auf falsch
gefüllte gelbe Säcke. "50 Prozent des Inhalts ist Müll", sagt Geschäftsführer
Hans-Jürgen Macioschek. Ertappten Müllsündern klebt die Firma einen roten Punkt
mit dem Aufdruck "Wertstoffe enthalten Fehlwürfe" auf den Sack und lässt ihn vor
dem Haus stehen. Auch hier drohe bei notorischem Fehlverhalten der Ausschluss,
betont Macioschek.
Stichwort
Grüner Punkt
Der Aufdruck "Grüner Punkt" auf einer Verpackung signalisiert, dass der
Hersteller für Sammlung, Sortierung und Recycling ein Lizenzentgelt an die
Duales System Deutschland GmbH entrichtet hat. Die Kosten sind im Kaufpreis des
Produkts enthalten. Schätzungen zufolge zahlt so jeder Bundesbürger monatlich
1,60 Euro für den Grünen Punkt. Das System sorgt seit 1990 dafür, dass
Verpackungen wiederverwertet werden. Verpackungen ohne grünen Punkt müssen nach
der Verpackungsverordnung vom Vertreiber zurückgenommen werden. Laut
Internet-Lexikon Wikipedia gibt es inzwischen Handelshäuser, die die
DSD-Entgelte nicht mehr zahlen. Da der Kunde die leeren Verpackungen aber meist
dennoch über gelben Sack/gelbe Tonne entsorgt, haben diese Firmen als
"Trittbrettfahrer" einen Wettbewerb.
Frei
Presse Chemnitz, Glauchau, Hohenstein-Ernstthal, Rochlitz und Mittweida
02.02.06
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